Thangka Wheel of Life Ausschnitt
Buddhistische Lehre - Dharma

Wissenschaft der Thangka-Malerei

Die Vorgaben zu Erstellung eines tibetischen Thangkas sind durch strenge Richtlinien festgelegt. Sie finden sich in Buddhas Anleitungen wieder.

Ikonographie und Ikonometrie der Thangka-Malerei

Grundlage eines Thangkas sind festgelegte Abmessungen, die auf Buddha selbst zurück gehen:
Buddhas Schüler Sariputra erhält folgende Anweisung von ihm:

„Maler, die Bildwerke Buddhas herstellen wollen, müssen die Standards des Maßsystems umsetzen, um ein sakral wirksames Bild zu erstellen.“

Auch die Darstellung des dreidimensonalen Bildes (Skulpturen) soll Buddha selbst an Sariputra weitergeben haben beim Abstieg vom Tusita-Himmel. Die Texte finden sich in dem Gönpo-kyabs „Buddhisitscher Kanon der Ikonometrie“ und in Sambbuddha-bhasita-pratima-lakshana-vivarana-nama ist der Kommentar zu den „Maßen der Figuren und Bildwerken nach den Unterweisungen des vollkommenen Buddha“.

Maßeinheiten eines Thangkas

Die ikonographischen Inhalte und ikonometrischen Vorgaben sind einzuhalten, um uns die wahre Buddha-Natur zu zeigen. Nur dann kann der Thangka zur Bildmeditation genutzt werden.
Für Buddhisten ist das Umsetzen der vorgeschriebenen Anordnungen auch die Umsetzung der Gesetze des Dharmas. Die Lehre von der Maßeinheit des Kultbildes (chag tshad) ist die Festlegung der Merkmale und Proportionen der Figur. Die Bildvermessung ist auf die zweidimensionale Darstellung ausgerichtet.

Thangka Ikonometrie Avalokiteshvara
Ikonometrie eines Avalokiteshvara Thangkas – aus Manjusri, An exhibition of Rare Thankas

Schriften zur Ikonometrie

Bereits seit der Gupta-Zeit im mittelalterlichen Indien gab es Festlegungen zu den schönen Künsten, in den Silpasastras und den Silpavididya. Sie stellen das Wissen von der Kunst und vom Kunsthandwerk mit seinen ikonometrischen Abhandlungen zusammen.
Im tantrisch-buddhistisches Werk Kriyasamgraha (im 13. Jh. in Tangyur entstanden) steht:

„Wenn ein Bildwerk im Einklang mit den Maßen der vorbildhaften Lehrbücher gefertigt ist, gewährt es dort, wo es aufgestellt wird, Stabilität.“

Im Werk Citra-laksana findet diese indische, nicht-buddhistische Abhandlung über die charakteristischen Körpermerkmale Eingang in das Tangyur, aufgrund der großen Bedeutung für die tibetischen Kunstpraxis.
Maßgeblich ist die Proportionslehre mit den Anweisungen im fünften Kapitel des Kalachakra Tantra des Tangyur. Die üblichen 120 Einheiten des Proportionsschemas des Thangkas, wie im Samvarodaya-Tantra üblich, werden hier mit 125 Einheiten (kleine Einheiten cha chung oder sor Fingerbreite) erfasst.
Dies wurde insbesondere von der südtibetischen Bodong-Schule praktiziert. Ihr Gelehrter Bodong- Chogle Namgyal (1376-1451) galt als tibetischer Lenopardo da Vinci und verfasste eigene Abhandlungen über die Wissenschaft des Thangka-Malens.
Es gibt weitere wichtige Abhandlungen verschiedener Gelehrter wie Suchen Tsültrim Rinchen, Butön und Menthangpa Menla Döndrub Gyatsho (Mendri Schule).

Gega Lama

Eine aktuelle Schrift zur tibetischen Malerei erschien 1983 in dem umfangreichen Werk „Prinziples of Tibetan Art“ von Gega Lama aus Osttibet (1931 – 1996). Gega Lama trat im Alter von elf Jahren in das Koster Chörkor Namgyal Ling ein und studierte Malerei, Tanz und Musik. 1959 flüchtete er nach Indien. 1978 erhielt vom 16. Karmapa Rangjung Rigpe Dorje den Auftrag die Lehre in der Tradition der Karma Gardri Schule fortzuführen. 1981 begann er das Lehrbuch zu verfassen, ein wichtiges Referenzwerk zur traditionellen Malkunst Tibets der Gegenwart.

Bis heute bestehen verschiedene Texte zur Ikonometrie und Ikonographie, die durch Kopieren und Weitergabe von Lehrern zu Schülern entstanden sind. Dies führte zu Diskrepanzen zwischen Theorie und Praxis.


Weiterführende Information im Netz

Zur Platzierung der Figuren in einem Thangka eine Buchbesprechung zu Tibetan Thangka Painting von David Jackson:
Platzierung der Figuren in einem Thangka

Tibetische Geometrie mit Bild und Text Erklärung
Geometrie von Thangkas


Quellennachweise

Först, Hans: Tibet: Feste und Zeremonien, Weishaupt, 2003

Hügel, Villa: Tibet: Kloster Öffnen Ihre Schatzkammern, Hirmer Verlag, 2006

Rhie, Marilyn M. & Thurman, Robert A. F.: Weisheit und Liebe. 1000 Jahre Kunst des tibetischen Buddhismus, DuMont Reiseverlag, 1996

Bunce, Frederick W.: Yantras of Deities and Their Numerological Foundations: An Iconographic Consideration, D.K. Print World, 2001

Chandra, Lokesh: Tibetan Art, Konecky & Konecky, 2010

Gega, Lama: Principles of Tibetan Art, Karma Gardri, 2011

Jackson, David Paul & Jackson, Janice A.: Tibetan Thangka Painting: Methods & Materials, Snow Lion Publications, 2006

Klimburg-Salter, Deborah E. & Luczanits, Christian: Tabo: A Lamp for the Kingdom, Skira, 1997

Samten, Acarya Ngawang: Manjusri, An exhibition of Rare Thankas, Central Institute of Higher Tibetan Studies, 1986